Kinder als Content: Warum Family Influencing zum ernsten Problem wird

Ein Beitrag von K’ENT Management
Heute Morgen lief im ARD Morgenmagazin ein Beitrag, der uns als Agentur schon länger beschäftigt. Die Kinderrechtsexpertin Sara Fiedler sprach über ein Phänomen, das in den sozialen Medien immer größere Ausmaße annimmt: Family Influencing. Also Eltern, die ihre Kinder zum Mittelpunkt ihrer Kanäle machen und damit Geld verdienen.
Für uns ein Anlass, das Thema aus Sicht einer Agentur einzuordnen, die seit vielen Jahren mit Künstlern und Creatorn arbeitet.
Der Trend: Kinder als Werbeträger
Family Influencer zeigen den Alltag ihrer Familie auf Instagram, TikTok und YouTube. Was auf den ersten Blick nach harmlosem Content aussieht, ist in Wahrheit knallhartes Business. Die Kinder stehen dabei im Zentrum, meist ohne zu verstehen, worauf sie sich einlassen.
Ein typisches Szenario sieht so aus: Ein Kleinkind übergibt sich auf dem Teppich, der Vater filmt, die Mutter kommentiert und platziert nebenbei eine Flasche Waschmittel ins Bild. Was früher ein peinlicher Familienmoment war, ist heute Werbematerial. Ein paar Tage später landet die Bezahlung des Markenpartners auf dem Konto.
Andere Formate inszenieren Streit zwischen Geschwistern, filmen Kinder bei Wutanfällen oder zeigen sie weinend nach einem Streich der Eltern. Alles für Reichweite. Alles für Werbeeinnahmen.
Risiken und Gefahren für die Kinder
Was auf den Social-Media-Kanälen landet, bleibt dort. Die Kinder, die heute ohne eigene Zustimmung zur Marke gemacht werden, müssen später mit diesem digitalen Fußabdruck leben. Fotos aus dem Badezimmer, Videos vom Wutanfall, intime Momente aus dem Familienalltag. All das bleibt auffindbar.
Hinzu kommen die psychischen Belastungen. Studien zeigen, dass Kinder von Influencer-Eltern unter dem permanenten Druck leiden, performen zu müssen. Spielzeit wird zu Drehzeit. Urlaub wird zu Content. Der geschützte Raum, den Kinder zum gesunden Aufwachsen brauchen, verschwindet.
Nicht zuletzt landen die Aufnahmen auch in Kreisen, für die sie nie gedacht waren. Ermittlungsbehörden berichten regelmäßig, dass Fotos aus völlig harmlosen Family-Influencer-Accounts in einschlägigen Foren wieder auftauchen.
Verletzung der Persönlichkeitsrechte
Jedes Kind hat ein Recht am eigenen Bild. Dieses Recht ist im Kunsturhebergesetz (KUG) und im allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Grundgesetzes verankert. Bei Minderjährigen müssen grundsätzlich beide Erziehungsberechtigten der Veröffentlichung zustimmen. Doch das allein reicht nicht.
Die Eltern vertreten das Kind nur treuhänderisch. Sie dürfen nicht beliebig über dessen Persönlichkeitsrecht verfügen. Sobald ein Kind alt genug ist, eine eigene Meinung zu entwickeln, braucht es sein Einverständnis. In der Praxis findet eine echte, informierte Zustimmung so gut wie nie statt.
Auch die DSGVO greift. Personenbezogene Daten von Kindern genießen besonderen Schutz. Wer sie öffentlich macht, braucht eine tragfähige Rechtsgrundlage. Die reine Elternentscheidung reicht dafür in vielen Fällen nicht aus.
Kinderarbeitsgesetze werden regelmäßig umgangen
Was viele Eltern nicht wissen oder bewusst ignorieren: Sobald ihr Kind vor der Kamera für kommerzielle Inhalte steht, greift das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Kinder unter 15 Jahren dürfen in Deutschland grundsätzlich nicht arbeiten. Ausnahmen gibt es nur in engen Grenzen, etwa für Film-, Theater- oder Werbeproduktionen, und auch nur mit behördlicher Genehmigung.
Diese Genehmigung muss beim zuständigen Landesamt beantragt werden. Vorgeschrieben sind maximale Arbeitszeiten, Aufsicht durch ausgebildetes Personal, ein ärztliches Attest und einiges mehr. Family Influencer halten diese Vorgaben nach unserer Erfahrung praktisch nie ein.
Dazu kommt die Frage der Vergütung. Die Einnahmen fließen auf das Konto der Eltern. Das Kind, das die eigentliche Arbeit leistet, geht in der Regel leer aus. In Frankreich gibt es seit 2020 ein Gesetz, das Einnahmen aus Kinder-Content auf einem Sperrkonto bis zum 18. Lebensjahr sichert. In Deutschland fehlt eine vergleichbare Regelung bisher.
Unsere Haltung bei K’ENT
Wir arbeiten seit über zwanzig Jahren in der Musik- und Entertainmentbranche. Künstlermanagement, Marketing, Social-Media-Beratung. Und wir sagen klar: Kinder gehören nicht in kommerzielle Content-Formate. Punkt.
Als Agentur beraten wir Marken und Creator, die ihre Social-Media-Präsenz professionell und seriös aufbauen wollen. Dazu gehört für uns:
- Keine Zusammenarbeit mit Accounts, deren Reichweite primär auf der Vermarktung ihrer eigenen Kinder beruht.
- Beratung von Marken, damit Werbepartnerschaften nicht ungewollt in problematischen Kontexten landen.
- Entwicklung von Content-Strategien, die ohne die Instrumentalisierung Minderjähriger funktionieren.
- Rechtssichere Umsetzung von Kampagnen inklusive Prüfung von Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und Jugendarbeitsschutz.
Wer eine Marke führt oder als Creator professionell arbeiten möchte, braucht Partner, die das Geschäft verstehen und die Grenzen kennen. Beides bieten wir.
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K’ENT Media Patrick Kronenberger
Titelbild mithilfe von KI generiert.
